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Interdisziplinäre klinische Rheumatologie
Kapitel 47, Seite 698-710
G I C H T
Prof. Dr. U. Gresser
47.2 EPIDEMIOLOGIE
Die Gicht ist in wohlhabenden Ländern eine der häufigsten Stoffwechselkrankheiten. Bei etwa 30% der Männer und 3%
der Frauen findet sich eine Hyperurikämie und damit ein erhöhtes Risiko, eine Gicht zu entwickeln. Seit Anfang der
50er Jahre stieg der durchschnittliche Harnsäurewert in der Bevölkerung infolge veränderter Ernährungsmöglichkeiten
(purinreiche Ernährung, höherer Alkoholkonsum) stetig an, seit Anfang der 70er Jahre gibt es kaum noch
Veränderungen.
Abb. 47.1 a, b
Harnsäurespiegel bei Frauen und Männern, aufgeteilt nach Altersgruppen. Gesunde Blutspender n=3200, davon 1103
Frauen und 2097 Männer. Dargestellt sind Mittelwert ± Standardabweichung.
(Nach Gresser et al. 1990) |

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Geschlechtsverteilung
Die Gicht ist v.a. eine Krankheit der Männer. Bei Männern sind die Harnsäurewerte unabhängig vom Lebensalter, bei
Frauen sind sie stark von den Lebensphasen abhängig (Abb. 47.1a, b). In den hormonaktiven Lebensjahren sind bei Frauen
die Harnsäurewerte signifikant niedriger als in der Jugend und nach der Menopause. Grund hierfür ist ein
urikosurischer Effekt der Östrogene, der auch zu niedrigeren Harnsäurewerten unter Einnahme von Kontrazeptiva oder bei
Leberzirrhose (Östrogenabbaustörung in der Leber) führt.
Bei ausgeprägter renaler Ausscheidungsstörung für Harnsäure können aber auch Frauen vor der Menopause eine Gicht
entwickeln, v.a. wenn eine purinreiche Ernährung und/oder erhöhter Alkoholkonsum (Alkohol hemmt die renale
Ausscheidung der Harnsäure) hinzukommen. Geschlechts- und altersunabhängig sind Hyperurikämie und Gicht aufgrund einer
Störung außerhalb des Purinstoffwechsels, wie einer Niereninsuffizienz, vermehrtem Zellzerfall oder Hemmung der
Harnsäureausscheidung infolge einer Saluretikatherapie. |