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Interdisziplinäre klinische Rheumatologie
Kapitel 47, Seite 698-710
G I C H T
Prof. Dr. U. Gresser
47.1 DEFINITION, TERMINOLOGIE UND KLASSIFIKATION
Man unterscheidet zwischen Hyperurikämie und Gicht.
Hyperurikämie
Eine Hyperurikämie hat keinen Krankheitswert, ist aber ein wichtiger Hinweis auf die Stoffwechsellage des Patienten.
Der Normalwertbereich für die Harnsäure wird nach ihrem Löslichkeitsprodukt unter physiologischen Bedingungen
definiert. Bei 37,0 °C und einem pH von 7,4 beträgt die Löslichkeit der Harnsäure in Plasmawasser 6,4 mg/dl.
Harnsäurewerte über 6,4 mg/dl gelten als Hyperurikämie. Dies entspricht auch der klinischen Beobachtung, daß
Gichtanfälle bei Harnsäurewerten unter 6,5 mg/dl eine Rarität sind.
Akute und chronische Gicht
Von einer Gicht spricht man bei Vorliegen einer Hyperurikämie in Verbindung mit einer Arthritis urica und/oder Tophi.
Der akute Gichtanfall beschreibt die hochakute Entzündung eines Gelenkes (Arthritis urica), der Begriff chronische
Gicht wird bei Patienten mit schwerer tophöser Gicht mit Gelenkdestruktionen angewandt, unabhängig davon, ob der
Patient unter akuten Gichtanfällen leidet oder nicht. Da die Ablagerung von Harnsäure in den Geweben mit dem Auftreten
einer Hyperurikämie beginnt, ist die Hyperurikämie als Beginn der chronischen Gicht anzusehen. Nur noch selten
gebraucht wird die Einteilung des Krankheitsverlaufs der Gicht nach Talbott in die 4 Stadien: Hyperurikämie, akute
Gichtarthritis, interkritische Phase und chronisch deformierende Gicht. |